Echt jetzt? - so könnte die spontane Reaktion auf menschenfeindliche Aussagen lauten, wie sie uns im Alltag immer wieder begegnen. Häufig bleibt es leider bei dieser Sprachlosigkeit, und eine Auseinandersetzung, die hinterfragt und zur Rechtfertigung dieser menschenfeindlichen Aussagen zwingt, kommt nicht zustande.
Verschiedene Initiativen und Plattformen versuchen dieser Sprachlosigkeit entgegenzuwirken. Dabei bedienen sie sich jedoch regelmäßig Argumenten der Verwertbarkeit von Menschen. So wird beispielsweise anhand von Zahlenbeispielen nachgewiesen, dass sich die Aufnahme von Flüchtlingen doch „rechne“. Andere spielen Menschenfeinden in die Hände durch Verharmlosung und Relativierung von ansonsten abgelehnten Praktiken, wie patriarchaler Haltung, Voodoo, Zwangsheiraten. Ebenfalls nicht ungewöhnlich ist die Gleichmacherei von Meinungen unter einem Deckmantel von Demokratie und Toleranz. Ob frauenfeindlich oder antisexistisch, homophob oder liberal, faschistisch oder antifaschistisch – alle seien gleichwertig und zu respektieren.
Genau dort machen wir den Unterschied, indem wir emanzipatorische Positionen stärken und menschenfeindlichen keinen Raum geben, sowie zwischen Rassismus und Religionskritik unterscheiden. Wir sehen in einer Gesellschaft, in der Menschen auf ihre Verwertbarkeit reduziert werden, eine wesentliche Ursache dieser Missstände. Das Ziel ist es, pointierte Erwiderungen auf sprachlos machende Aussagen zu finden und einfach zugänglich zu veröffentlichen, um so Anregungen für erfolgreiche Auseinandersetzungen im Alltag zu bieten.

Workshops mit der Ideolotterie: In einer kurzen Einleitungsphase wird der Ansatz des Projektes inhaltlich und methodisch vorgestellt. Anschließend haben die Teilnehmer_innen Gelegenheit Aussagen vorzuschlagen, die sie als überfordernd wahrnehmen. Diese werden anonym in eine Lostrommel gegeben. Auf diese Weise bereiten sich alle anhand von eigenen Erfahrungen auf die Diskussion vor.
Sind alle Aussagen eingegangen, dann beginnt die Diskussionsphase. Die Moderation zieht je eine Aussage aus der Lostrommel, prüft auf Inhalte, die Anwesende eventuell verletzen könnten, und verliest sie. Diskussionserfahrene Referent_innen formulieren darauf spontan Erwiderungen, welche mit den Teilnehmer_innen diskutiert werden. Dabei kommentieren sie auch, wie sie sich den Aussagen kritisch nähern und welche Überlegungen sie dabei begleiten. Außerdem stellen die Referent_innen dar, weshalb gerade diese Aussagen populär sind und als Ideologie funktionieren können.

Webseite und App: Angedacht ist, die Aussagen und Erwiderungen aus den Workshops später in Form eines Internet-Nachschlagewerkes mit dazugehöriger Smartphone-App aufzubereiten. Dieses soll dann auch Erwiderungen zu Aussagen enthalten, auf die in den Workshops mangels Zeit nicht eingegangen werden konnte. Den Nutzer_innen ermöglicht dies in Situationen der Sprachlosigkeit schnell und unkompliziert Impulse für Erwiderungen zu finden.

Und hier der Flyer zum Projekt als PDF