Archiv der Kategorie 'Vermischtes'

Text: Ein Ausflug an die Akademie

Der am 29. Juni von Bet­ti­na Fell­mann im Lai­dak ge­hal­te­ne Vor­trag
Über Phi­lo­so­phie­ren im Stan­de all­ge­mei­ner Un­mün­dig­keit und Be­din­gun­gen phi­lo­so­phi­schen Den­kens an­läss­lich eines Aus­flugs in den geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen, aka­de­mi­schen Be­trieb
kann hier per Klick auf den Titel als PDF her­un­ter­ge­la­den wer­den.

Tucholsky und Tyskie statt Deutschtümmelei

Einladung zum germanophoben Spaziergang durch Moabit

Mit jedem Tor, das fällt, entlädt sich so einiges; abhängig von dem Typ der es schießt entweder der gemeinschaftliche Stolz auf das „eigene“ Team oder der Hass auf den kollektiven Gegner. Anstatt zähneknirschend den unsäglichen Lärm resigniert zu erdulden, möchten wir einen gemütlichen Spaziergang durch Moabit machen. Um nicht nur sprachlos trinkend Köpfe zu schütteln möchten wir die Abneigung gegen Deutschland forcieren und unsere Gedanken einem großartigen Nestbeschmutzer widmen: Kurt Tucholsky.
Während sich Unzählige die Farben Schwarz, Rot und Gold auf die Wangen malen, treffen wir uns am Sonntag vor dem Pamuk-Shop und stoßen an auf die marginale Kritik am deutschen Ungeist, den man eh nicht wird ignorieren können.
Diese Einladung richtet sich an jene, die dem Finale der WM nicht besser zu entgehen wissen, als Fragmente rund um die Ablehung von Staat und Nation zusammenzutragen und mit Leute, denen die Deutschtümmelei ähnlich wenig zusagt, ein Bier zu trinken. Vorbei an Tucholskys Geburtshaus, dem Gericht und der JVA wollen wir deutsche Zustände anprangern, um nicht allein zu resignieren. Wem solche Abgestaltung mehr zusagt als Public Viewing ist herzlichst eingeladen, einen kleinen Beitrag inhaltlicher Natur beizusteuern oder sich einfach zwischen Menschen zu flüchten, die nicht fragen, warum man im fröhlichen Patriotismus nicht fröhlich zu sein vermag.

Sonntag, 20:30 Uhr (pünktlich, weil wir ja dann los wollen)
vor dem Pamuk-Shop
Gotzkowskystraße Ecke Zwinglistraße

against al-quds day

Auch diese Jahr darf wieder die antisemitische Al-Quds-Demo durch Berlin laufen.

Gegenkundgebung

25. Juli um 13:00 Uhr

Adenenauerplatz

Unter folgenden Links gibt es den Aufruf in englischer und deutscher Sprache

Vortragsankündigung: Bettina Fellman – Ein Bericht von der Akademie

Am 29. Juni2014 um 19.30 Uhr im Laidak

Philosophieren im Stande allgemeiner Unmündigkeit – ein Bericht von der Akademie.

Was es bedeutet, wenn Geistesmenschen sich zusammenfinden, um von Geistigem zu sprechen, warum nichts Wahres dran sein darf und wie die Wirklichkeit dem Denken nur zur Illustration dient, beleuchtet dieser Vortrag.
Im allgemeinen wird an der Akademie bereits der Gedanke vom richtigen Denken formal erstickt; nicht zu schweigen davon, dass der richtige Gedanke oder das Denken vom Wirklichen keine Erwiderung findet, sondern im Gegenteil rigoros ausgeschlossen wird. Unter diesen Bedingungen erscheint nicht nur der Versuch, das Besondere zur Sprache zu bringen, als zweifelhaft, sondern Sprache überhaupt. An dem Umstand, dass er längst gedacht wurde, erweist sich nicht der Gedanke als falsch, sondern die allgemeinen Mechanismen, die sich durch die Epochen hindurch grundlegend ähneln — im Gewand der jeweiligen Zeit, deren Besonderheit es vor den Allgemeinheiten zu erfassen gilt, die ihren Grund bilden.
Ansatzweise wird eingegangen auf die Unfähigkeit, Zusammengehöriges und Grundverschiedenes im richtigen Verhältnis zueinander wahrzunehmen und adäquat zu beurteilen, auf die Virtualisierung menschlicher Verkehrs- und Ausdrucksformen und nicht zuletzt auf die verheerende Sehnsucht, sowohl durch das Aufgehen im Denken ans Bestehende anschließen, als auch umgekehrt durch den Anschluss ans Bestehende im Denken aufgehen zu können.

Martin Luther und die Juden – War Luther Antisemit?

Der von Andreas Pangritz gehaltene Vortrag kann hier nachlesen werden.

16.03. – Augstein in Berlin

Augstein stellt sein neues Buch „Sabotage“ in Berlin vor.
Die Antideutsche Aktion Berlin ruft zur Sabotage auf.
Gut so.

Sonn­tag den 16. März 2014
10:30 Uhr
Film­thea­ter Union in der Böl­sche­stra­ße 69, Ber­lin

Audiomitschnitt der Tagung Politischer Islam und Kulturdialog mit dem Iran

Link: Audiomitschnitt bei archive.org
Die Reihenfolge korrekte Reihenfolge ist:

Vorrede
Politsiche Gewalt und religiöse Legitimität im Islam
Is there a change in the air?
Heilige und Staatsfeindin zugleich
Sehnsucht nach Differenz

Nähre Informationen können dem Programm entnommen werden.

Ankündigung: Politischer Islam und Kulturdialog mit dem Iran

Tagung zum Verhältnis von Kultur, Politik, Gewalt und Islam

23. November, 13 Uhr
Humboldt-Universität Berlin

Die Tagung soll einen kritischen Einblick verschaffen sowohl in innerislamische theoretische Auseinandersetzungen, die sich um die Frage der Legitimität politischer Gewalt drehen, als auch beleuchten, wie diese Auseinandersetzungen in säkularisierten, postmodernen Gesellschaften, beispielsweise der Bundesrepublik Deutschland, geführt werden. Vor diesem Hintergrund werden Analysen vorgestellt, die sich – am Beispiel des Kulturdialogs mit dem iranischen Regime und des Geschlechterverhältnisses im Iran – konkret der aktuellen kulturellen und politischen Lage sowohl in Deutschland als auch dem Iran widmen. Außerdem sollen die engen Verbindungen dargestellt und untersucht werden, die auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit dem iranischen Regime bestehen.

revolution islamique


Programm

13.00 – 13.15 Uhr
Begrüßung, Vorrede und Vorstellung der Referenten
durch Bettina Fellmann, Organisatorin der Tagung.
Sie studiert Philosophie und Kunstgeschichte an der Freien Universität.

13.15 – 14.30 Uhr
Jörg Finkenberger: Politische Gewalt und religiöse Legitimität im Islam
Obwohl der Islam heute als eine eminent politische Religion auftritt, ist für den größten Teil seiner Geschichte das Verhältnis zwischen staatlicher Gewalt und religiöser Legitimität problematisch, fast feindselig. Der historische Befund verträgt sich wenig mit dem Selbstbild des heutigen politischen Islam: sein Fixpunkt, eine religiös legitimierte politische Autorität, ist in der historischen Religion kaum zu finden und verträgt sich nicht mit der Gestalt, die diese seit 800 Jahren angenommen hat. Der politische Islam als Bewegung und als Ideologie bewegt sich selbst nur in schweren Konflikten weiter, ohne diese auf absehbare Zukunft befrieden zu können. Ein Rückblick sowohl auf die politische Geschichte des Islam als auch auf die verschiedenen Versuche ihrer Aktualisierung und heutige Kämpfe.
Jörg Finkenberger ist Jurist und Rechtshistoriker.

14.30 – 15.30 Uhr
Dr. Kazem Moussavi: „There is a change in the air“?
Über die gefährliche Hoffnung auf eine Intensivierung des deutschen Kulturdialogs mit dem Iran unter Rohani

Die kulturellen und wissenschaftlichen Kooperationen Deutschlands und des Westens mit dem iranischen Regime finden zu einer Zeit statt, in der das Mullah-System im Inneren gravierend geschwächt ist. Der neue Präsident Rohani wird als „die Hoffnung, dass sich etwas ändert“ suggeriert und rezipiert, obwohl jeglicher Kulturaustausch und die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen mit einem klerikal-faschistischen Regime zum Scheitern verurteilt sind.
Der religiöse Führer Ali Khamenei hofft, mit dem angeblich moderaten Rohani in Kooperation mit Deutschland, beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit Universitäten, die Position des Westens gegen das iranische Atomprogramm zu spalten, Israel zu isolieren und zu diskreditieren und die Sanktionen zu beenden. Der Kulturdialog trägt maßgeblich dazu bei, diese Hoffnung zu realisieren, und damit dem Regime den Weg zur Atombombe und der Verwirklichung seiner islamistischen Ziele zu ebnen. Dies bedeutet auch ein Sicherheitsrisiko für die in Deutschland lebenden Exiliraner und jüdischen Menschen. 
Dr. Kazem Moussavi ist Sprecher der Green Party of Iran in Deutschland.

15.30 – 16.00 Uhr
Pause

16.00 – 17.00 Uhr
Fathiyeh Naghibzadeh: „Heilige & Staatsfeindin zugleich“
Frauenbild und Männlichkeit in der Islamischen Republik Iran

Dass im Gottesstaat Iran brutale Frauenunterdrückung herrscht, wird im Allgemeinen nicht geleugnet, aber in vielerlei Hinsicht relativiert. So wird diese Unterdrückung auch durch ihre Klassifizierung als „patriarchalisch” verkannt und verharmlost. Im historischen Rückblick und Vergleich wird die Differenz zwischen vormodernem Patriarchat, Männerherrschaft unter der Modernisierungsdiktatur des Schahs und phallozentristischem Mullahregime dargelegt. Dabei soll diskutiert werden, was das Regime im Iran unter der „bedeutenden und wertvollen Aufgabe“ der Frau im Islam versteht, welche Art von Männlichkeit in den Repressionsorganen der Islamischen Republik verkörpert ist und in welchem Verhältnis diese Konstellation zur iranischen Gesellschaft steht.
Fathiyeh Naghibzadeh ist Co-Regisseurin des Films „Kopftuch als System – Machen Haare verrückt?”, publiziert unter anderem zum Geschlechterverhältnis im Islam, zu Antisemitismus und Antizionismus und zur Erfahrung des Exils und ist im Mideast Freedom Forum Berlin aktiv.

17.00 – 18.00 Uhr
Andreas Benl: Sehnsucht nach Differenz
Über den neuen Verrat der Intellektuellen

Die „Charme-Offensive“ des neuen Präsidenten des iranischen Regimes Hassan Rohani ruft einmal mehr die Kräfte des Appeasements in der westlichen Politik auf den Plan. Während diese offizielle Zusammenarbeit sich zumindest teilweise mit ökonomischen und politischen Interessen erklären lässt, wirft der „Appeal“ der Islamischen Republik im Besonderen und des Islamismus im Allgemeinen bei westlichen Intellektuellen und linken und liberalen Aktivisten Fragen nach seiner ideologischen Attraktivität auf. Als Foucaults Apologien Khomeinis 1979 auf die mörderische Realität trafen, sah er sich noch vehementer Kritik aus der Linken ausgesetzt. Seitdem haben sich die Kräfteverhältnisse von der Kritik des Islamismus hin zur Denunziation der sogenannten Islamophobie verschoben. Der Vortrag soll die historischen und ideologischen Hintergründe dieser Entwicklung beleuchten.
Andreas Benl ist im Mideast Freedom Forum Berlin aktiv und schreibt unter anderem zum Kulturrelativismus und zur Oppositionsbewegung im Iran.

18.00 – 18.30 Uhr
Abschlusspodium und Diskussion

Die Tagung findet an einem Samstag statt.
Tagungsort ist Raum 2002 des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität,
Unter den Linden 6, 10099 Berlin

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Eine Erinnerung an die Zukunft

Vom 29.11. bis 1.12. findet an der HU Berlin die Konferenz „Eine Erinnerung an die Zukunft“ statt.
Nähere Informationen zum Programm finden sich hier:

kt

„Halle bleibt“…merkwürdig

Die vor einiger Zeit vermutlich wegen Fadheit und Irrelevanz eingestellte Bonjour Tristesse meldete sich im letzten Monat wieder zu Wort, um das Immergleiche festzustellen: Die Ossis mögen Betriebsausflüge, Nazidemos, Flut, Hauptsache es passiert etwas. Richtig flau wird einem erst, wenn man in der Sächsischen Zeitung die Meldung Hoyerswerda lädt 1.400 Fluthelfer zu Festival ein erblickt: „Angeschrieben wurden unter anderem die Stadtverwaltungen in Königstein, Pirna, Grimma, Döbeln, Halle, Magdeburg und Wittenberge.“ Wer beim Anblick dieser Gästeliste in Kombination mit dem Veranstaltungsort kurz stutzt, verspürt vielleicht auch das diffuse Gefühl, dass in den neuen Bundesländern irgendetwas nicht stimmen kann.
Ins Auge fällt beim Lesen der Sonderausgabe der bonjour tristesse die Bemerkung, dass auch die Linksradikalen sich als Fluthelfer betätigen. So albern wie es erscheinen mag, ist auch die Empörung darüber,
dass auch die Autonomen sich dem gemeinschaftlichen Trubel anschließen und zur Schippe greifen, um unmittelbar beteiligt die Ausnahmesituation mitzuerleben, nicht so abwegig wie andernorts. (Zu kritisieren ist natürlich nicht das Füllen von Sandsäcken, sondern das davon kaum zu trennende Beiwerk. Würden die tapferen Helferlein ihre Energie darauf richten, so blieben allen die im Flugblatt attackierten Phänomene erspart.) In Halle ist es über Jahre hinweg gelungen, das lokale Geschehen kontinuierlich zu kritisieren und gerade das Tun all der linken Engagierten mit Einwänden nicht zu verschonen. Auch wenn man es nach der Fahrt durch die Provinz nicht mehr für möglich hält, so fanden sich in Halle doch die kleinen Residuen des Denkens.
Aktueller Anlass, die zusammenrückenden Hallenserinnen und Hallenser zum Versuch, einen klaren gedanken zu fassen, aufzufordern, ist der diffuse Aktivismus um „Halle bleibt!“, einem Bündnis gegen die Einsparung der klinischen Forschung an der hallenser Medizinfakultät. Die AG no tears for krauts zeigt in einem Flugblatt das Ansinnen der Protestierenden auf: spart bei den andern und spart dabei unseren Wirtschaftsstandort nicht kaputt. Neben dem Einebnen der marginalen Möglichkeiten, an deutschen Universitäten das kritische Denken zu erleichtern, was zurecht beklagt wird, wird die örtliche Fragmentierung des Wissenschaftsbetriebes darin nur unzulänglich aufgezeigt. Die Alliierten haben nach dem zweiten Weltkrieg nicht ohne Grund die spezialisierten Hochschule als inakzeptabel erachtet:

„Am 9.4.1946 erfolgte die Neugründung der TH durch die Briten, jetzt unter dem Namen “Technische Universität Berlin”. Es wurde die Fakultät 1 gegründet, um den Naturwissenschaftlern und Ingenieuren die ethische Dimension ihres Handelns aufzuzeigen. Die übrigen Fakultäten mussten in der Nummerierung um eins nach hinten rücken.“ (antifatuberlin.blogsport.de/category/historisches)

Zu beklagen sind weniger fade Seminare, wobei Altersunterschiede um wenige Jahre sich selten signifikant auf den Erkenntnisgewinn aus Diskussionen auswirkt (wie im Flugblatt angedeutet), als vielmehr die Herumdümpeln unter Seinesgleichen. Wer das Privileg genießt, aus Bitterfeld zwecks Studium in eine größere Stadt zu ziehen, sollte nicht von der sperrlichen Restvielfalt an anderen Gedanken abgeschirmt werden. Dies ist jedoch stets Folge von „Spezialisierung“ im Hochschulbetrieb.
Unterdessen erinnert sich die Antifa in Halle, dass es da noch irgendetwas gab, vor der Absorbtion durch die Uni: Nun wird die Zielgruppe der Pre-Immatrikulierten identifiziert, das Konzept der Straßen aus Zucker aufgegriffen und eine eigene Schülerzeitung zusammengebastelt:



Es ergeben sichmerkwürdigerweise doch immer wieder neue Gründe, sich aufzumachen, auf dem Weg tüchtig zu gruseln und dort anzustoßen, auf den nächsten kläglichen Versuch der kritischen Intervention. (Gemein ist nicht die ebenfalls in Halle agierende Gruppe.)