Aus der Praxis (1): Du bekommst die Ware nicht raus

Neulich im Argumentationstraining schilderte eine Barkeeperin ein Erlebnis während ihrer Arbeit in einer linken Kneipe. Sie beschrieb, wie sich ein Kollege darüber aufregte, dass ein paar etwas abgerissen wirkende Gestalten alle Kleidung aus einer vor dem Haus angebrachten Free-Box nahmen. Er mutmaßte, dass die wohl vom Balkan stammenden Leute die Klamotten auf dem Flohmarkt o.ä. anböten, also gar nicht für den Eigengebrauch zugegriffen hätten. Einmal dem kommerziellen System entrissen, sollten doch die abgetragenen Pullis und zerschlissenen Jeans nicht wieder zu schnödem Mammon gemacht werden.

Wir überlegten nun, wie denn dem Kollegen zu antworten sei. Dass Profitgier anders aussieht, wollte ich zeigen anhand der Überlegung, welcher Stundenlohn sich ergibt bei einem angenommenen Preis von vier Euro pro Teil, einer Verkaufswahrscheinlichkeit von 50 Prozent und einer Wartezeit von 30 Minuten für die Verkäufer, zuzüglich Aufwand für die Beschaffung der Klamotten. Als wir gerade grübelten, weshalb sich jemand so darüber aufregt, dass bettelarme Leute den Tand aus der Free-Box wieder in Verwendung bringen, schob mir jemand eine Notiz zu: Du bekommst die Ware nicht aus dem Produkt.

Damit war zu meinem Appell um ein Verständnis, das den Vorwurf, indem er ihn aufnimmt, zu widerlegen versucht, eine abstraktere Überlegung hinzugekommen. Der Äußerung des Kollegen liegt ja eine Enttäuschung zugrunde: dass nicht einmal eine Sachspende der Verwertung entrissen ist. Diese systemische Enttäuschung, konvertiert in Entrüstung, sticht das Mitleid mit den realen Armen, die die unterste Stufe der Verwertung besetzen, und lässt sie allein. Sie haben keine Zeit, sich mit Ohnmachtsgefühlen, tiefgreifenden Enttäuschungen abzugeben. Er trauert, sie arbeiten.

Erziehung zum geistigen Dasein

Bettina Fellmann schrieb 2016 den Aufsatz „Erziehung zum geistigen Dasein“, der nun in überarbeiteter Fassung zu lesen ist. Den Aufsatz als PDF gibt es hier:

Erziehung zum gesitigen Dasein

Ideolotterie

Am Montag den 12.10.2020 gibt es die erste Ideolotterie unter den Bedingungen des COVID19-Risikos. Ilse Bindseil diskutiert mit uns und euch, was es mit rechten Aussagen auf sich hat und inwiefern darauf einzugehen überhaupt lohnt (Ankündigung unten).

Montag, 12. Oktober 2020 – 12 Uhr
Nähe des Ernst-Reuter-Platzes

Wir planen die Veranstaltung draußen mit einer Ausweichoption für den Fall von Regen. Den genauen Veranstaltungsort schicken wir euch bei Anmeldung an zweifelunddiskurs {at} gmx . de

Zunehmend werden rassistische, sexistische oder antisemitische Positionen salonfähig. Das Stammtischgelaber hat Einzug ins Büro, Sportstudio und den Bundestag gehalten. Wie kann man dem begegnen statt sich sprachlos darüber zu ärgern? Hitlert der Onkel beim Weihnachtsessen wieder ab? Geflüchtete hätten „hier“ aus diesen und jenen Gründen nichts zu suchen? Das geht nicht nur auf die Nerven, sondern fordert zum Widerspruch auf. Diesen kann man intellektuell noch so oft durchdacht
haben. Oft ist man angesichts rassistischer, homophober, sexistischer oder antisemitischer Äußerungen sprach- und fassungslos. Dabei hat man sich doch vor Kurzem noch vorgenommen, in diesen Situationen
schlagfertiger zu sein. Das haben sich auch die Aktivist*innen des Projekts „Echt jetzt“ gedacht und geben daher nun Tipps, wie mit praktischer Ideologiekritik beim nächsten Mal nicht mehr die Worte zur Gegenrede fehlen.

Ideolotterie bei der DGB Hochschulgruppe TU Berlin

Am Mittwoch den 20.11.2019 sind wir in Kooperation mit der DGB Hochschulgruppe zu Gast an der TU Berlin, im Cafe shila. Ilse Bindseil diskutiert mit uns und euch, was es mit dem rechten Gerede auf sich hat und inwiefern darauf einzugehen überhaupt lohnt.

Mittwoch, 20. November 2019 – 18 Uhr
Café Shila (Hinter dem MA-Gebäude)
Straße des 17. Juni 136
10623 Berlin

Zunehmend werden rassistische, sexistische oder antisemitische Positionen salonfähig. Das Stammtischgelaber hat Einzug ins Büro, Sportstudio und den Bundestag gehalten. Wie kann man dem begegnen statt sich sprachlos darüber zu ärgern? Hitlert der Onkel beim Weihnachtsessen wieder ab? Geflüchtete hätten „hier“ aus diesen und jenen Gründen nichts zu suchen? Das geht nicht nur auf die Nerven, sondern fordert zum Widerspruch auf. Diesen kann man intellektuell noch so oft durchdacht
haben. Oft ist man angesichts rassistischer, homophober, sexistischer oder antisemitischer Äußerungen sprach- und fassungslos. Dabei hat man sich doch vor Kurzem noch vorgenommen, in diesen Situationen
schlagfertiger zu sein. Das haben sich auch die Aktivist*innen des Projekts „Echt jetzt“ gedacht und geben daher nun Tipps, wie mit praktischer Ideologiekritik beim nächsten Mal nicht mehr die Worte zur Gegenrede fehlen.

Die Veranstaltung wird unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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Ideolotterie in Hamburg

Am Samstag den 23.11.2019 sind wir mit der Ideolotterie zu Gast in der Ahoi-Bar ind Hamburg. Daniel Kulla diskutiert mit uns und euch, was es mit dem rechten Gerede auf sich hat und inwiefern darauf einzugehen überhaupt lohnt.

Samstag, 23. November 2019 – 17 Uhr

Ahoi
St. Pauli Hafenstr. 122
20359 Hamburg

Zunehmend werden rassistische, sexistische oder antisemitische Positionen salonfähig. Das Stammtischgelaber hat Einzug ins Büro, Sportstudio und den Bundestag gehalten. Wie kann man dem begegnen statt sich sprachlos darüber zu ärgern? Hitlert der Onkel beim Weihnachtsessen wieder ab? Geflüchtete hätten „hier“ aus diesen und jenen Gründen nichts zu suchen? Das geht nicht nur auf die Nerven, sondern fordert zum Widerspruch auf. Diesen kann man intellektuell noch so oft durchdacht
haben. Oft ist man angesichts rassistischer, homophober, sexistischer oder antisemitischer Äußerungen sprach- und fassungslos. Dabei hat man sich doch vor Kurzem noch vorgenommen, in diesen Situationen
schlagfertiger zu sein. Das haben sich auch die Aktivist*innen des Projekts „Echt jetzt“ gedacht und geben daher nun Tipps, wie mit praktischer Ideologiekritik beim nächsten Mal nicht mehr die Worte zur Gegenrede fehlen.

Die Veranstaltung wird unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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Ideolotterie in der Neuen Nachbarschaft

Am Freitag den 29.11.2019 sind wir mit der Ideolotterie zu Gast bei der Neuen Nachbarschaft in Moabit. Ilse Bindseil und Daniel Kulla diskutieren mit euch, was es mit dem rechten Gerede auf sich hat und inwiefern darauf einzugehen überhaupt lohnt.

Freitag, 29. November 2019 – 18 Uhr

Neue Nachbarschaft
Beusselstrasse 26
10553 Berlin

Zunehmend werden rassistische, sexistische oder antisemitische Positionen salonfähig. Das Stammtischgelaber hat Einzug ins Büro, Sportstudio und den Bundestag gehalten. Wie kann man dem begegnen statt sich sprachlos darüber zu ärgern? Hitlert der Onkel beim Weihnachtsessen wieder ab? Geflüchtete hätten „hier“ aus diesen und jenen Gründen nichts zu suchen? Das geht nicht nur auf die Nerven, sondern fordert zum Widerspruch auf. Diesen kann man intellektuell noch so oft durchdacht
haben. Oft ist man angesichts rassistischer, homophober, sexistischer oder antisemitischer Äußerungen sprach- und fassungslos. Dabei hat man sich doch vor Kurzem noch vorgenommen, in diesen Situationen
schlagfertiger zu sein. Das haben sich auch die Aktivist*innen des Projekts „Echt jetzt“ gedacht und geben daher nun Tipps, wie mit praktischer Ideologiekritik beim nächsten Mal nicht mehr die Worte zur Gegenrede fehlen.

Die Veranstaltung wird unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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Ideolotterie bei den Kritischen Orientierungswochen der TU Berlin

Am Montag den 7.10. sind wir mit der Ideolotterie zu Gast beim AStA der TU Berlin. Ilse Bindseil diskutiert mit euch, was es mit dem rechten Gerede auf sich hat und inwiefern darauf einzugehen überhaupt lohnt.


Montag, 7. Oktober 2019 – 16 Uhr

AStA Technische Universität Berlin
Straße des 17. Juni 135
Gebäude TK 2
10623 Berlin

Eine Skizze zur besseren Anreise findet sich hier.

Zunehmend werden rassistische, sexistische oder antisemitische Positionen salonfähig. Das Stammtischgelaber hat Einzug ins Büro, Sportstudio und den Bundestag gehalten. Wie kann man dem begegnen statt sich sprachlos darüber zu ärgern? Hitlert der Onkel beim Weihnachtsessen wieder ab? Geflüchtete hätten „hier“ aus diesen und jenen Gründen nichts zu suchen? Das geht nicht nur auf die Nerven, sondern fordert zum Widerspruch auf. Diesen kann man intellektuell noch so oft durchdacht
haben. Oft ist man angesichts rassistischer, homophober, sexistischer oder antisemitischer Äußerungen sprach- und fassungslos. Dabei hat man sich doch vor Kurzem noch vorgenommen, in diesen Situationen
schlagfertiger zu sein. Das haben sich auch die Aktivist*innen des Projekts „Echt jetzt“ gedacht und geben daher nun Tipps, wie mit praktischer Ideologiekritik beim nächsten Mal nicht mehr die Worte zur Gegenrede fehlen.

Die Veranstaltung wird Unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Ideolotterie beim at.tension Festival

Auf dem diesjährigen at.tension-Festival sind wir mit einem Vortrag und einem Workshop vertreten. Um 14:30 stellen wir unseren Ansatz vor und berichten von den Diskussionen der letzen Jahre. Um 17:30 gibt es einen interaktiven Ideolotterie-Workshop, bei dem wir die eingehenden Statements besprechen.
Alle Infos zum Festival findet ihr hier.

Ideolotterie

Am Sonntag den 28.07. gibt Ilse Bindseil einen Ideolotterie-Workshop auf dem Kongress „Generation Nachhaltigkeit“ an der HU Berlin. Hier geht es zum Programm der Konferenz.

Am Samstag den 03.08. ist die Ideolotterie mit Daniel Kulla beim Haus- und Hoffest ins AKW Bitterfeld. Hier geht’s zum Programm.

Vor 100 Jahren in Berlin

Anfang März 1919 beginnt in Berlin der Generalstreik. Die Proteste der ArbeiterInnen werden mit Gewehren, Mienenwerfern und Fliegerbomben brutalst von den frisch legitimierten Freikorps niedergeschlagen. Classless Kulla fasst das Geschehen in zwei Postings zusammen:

März 1919 in Berlin, Teil 1: Basis erzwingt Generalstreik

März 1919 in Berlin, Teil 2: Freikorps greifen an, Streik verschärft sich

Und was diese Freikorps-Soldaten für Typen waren und was an Ihnen über Männlichkeit gelernt werden kann, ist bei Klaus Theweleit: „Männerphantasien“ nachzulesen.



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